„Notariat – Nachlassakte Nr. 2026-44871. Vor Abschluss ist noch ein Gebührenrestbetrag offen. Begleichung innerhalb von 72 Std.: etude-succession-reglement[.]net“
Die Nachricht kommt elf Tage nach der Beerdigung. Elf Tage, in denen Sie die Bank, die Rentenkasse, die Krankenzusatzversicherung, den Telefonanbieter, die Hausratversicherung und das Finanzamt angerufen haben. Elf Tage, in denen Ihnen Unbekannte geschrieben und Sie angerufen haben, in denen Briefe mit offiziellem Briefkopf eintrafen, die Sie nie bis zum Ende gelesen haben. Sie haben tatsächlich einen Notar – jemand aus der Familie kümmert sich darum. Diese Nummer kennen Sie nicht, aber Sie kennen seit zwei Wochen keine einzige der Nummern mehr, die Sie anrufen.
Genau dort nistet sich der Betrug ein. Nicht in der Leichtgläubigkeit, nicht in der Unaufmerksamkeit, sondern in einem Lebensmoment, in dem das Verwaltungsgetöse so groß ist, dass eine betrügerische Nachricht mehr nicht weiter auffällt. Trauer schafft ein Zeitfenster der Verwundbarkeit, das Betrüger methodisch ausnutzen – und über das kaum gesprochen wird.

Warum ein Todesfall ein Glücksfall für Betrüger ist
Ein Todesfall in Frankreich zieht im Schnitt rund dreißig Verwaltungsvorgänge nach sich, verteilt auf etwa zehn verschiedene Ansprechpartner. Das offizielle Portal service-public.fr listet sie auf: Anzeige beim Rathaus, Information der Sozialversicherungsträger, Kündigung von Verträgen, Eröffnung des Nachlassverfahrens beim Notar, sobald eine Immobilie oder ein Testament vorhanden ist, Steuererklärung des Verstorbenen, Übertragung der Bankkonten. Jede Stelle hat ihre Fristen, ihre Formulare, ihre Erinnerungsschreiben.
Das Ergebnis: Über mehrere Wochen hinweg ist die Familie strukturell nicht in der Lage, einen legitimen von einem betrügerischen Kontakt zu unterscheiden. Der gewohnte Anhaltspunkt – „Ich erwarte von dieser Stelle nichts, also ist das verdächtig“ – funktioniert nicht mehr. Sie erwarten etwas von nahezu allen.
Hinzu kommen drei Faktoren, die Kriminologen klassischerweise mit dem Erfolg eines Betrugs in Verbindung bringen:
- Die emotionale Belastung. Die Erschöpfung der Trauer verringert die anhaltende Aufmerksamkeit. Man liest quer, man will „den Papierkram endlich hinter sich bringen“.
- Die unklare Zuständigkeit. Unter Geschwistern weiß niemand genau, wer welche Stelle kontaktiert hat. „Vielleicht hat meine Schwester das angestoßen“ genügt, um den Zweifel zu entschärfen.
- Geld in Bewegung. Ein Nachlass bedeutet Überweisungen, Gebühren, Restbeträge. Eine Zahlungsaufforderung wirkt nicht abwegig.
Cybermalveillance.gouv.fr, die staatliche Anlaufstelle für Betroffene, führt Phishing – und damit auch Smishing, die SMS-Variante – Jahr für Jahr an der Spitze der Hilfeanfragen von Privatpersonen. Für Kampagnen rund um Erbfälle gibt es keine eigene Statistik, doch Notare und Opferhilfeverbände melden das Phänomen regelmäßig, insbesondere in Form gefälschter Zahlungsaufforderungen.
Die vier häufigsten Szenarien
1. Der falsche Notar und die „Abschlussgebühren“
Die lukrativste Variante. Die Nachricht nennt eine Nachlassakte, eine endlos lange Nummer, einen vor Abschluss zu begleichenden Restbetrag. Manchmal wird ein echter Familienname erwähnt – was nichts Magisches hat: Traueranzeigen sind öffentlich, erscheinen in der Lokalpresse und auf spezialisierten Websites, mit Namen, Ort und mitunter der Liste der Angehörigen.
Der entscheidende technische Punkt: Ein Notar verlangt niemals eine Zahlung über einen SMS-Link. Gelder aus einem Nachlass laufen über die Buchhaltung des Notariats, auf ein eigens dafür bestimmtes Konto bei der Caisse des Dépôts et Consignations, und zwar nach einem Schreiben oder einem Termin. Der Conseil supérieur du notariat weist regelmäßig darauf hin, dass kein Notariat per elektronischer Nachricht eine eilige Überweisung fordert.
2. Die falsche Bestattungsversicherung
„Die Vorsorgepolice von Herrn X wird fällig. Vervollständigen Sie die Begünstigtenakte, um das Kapital freizugeben.“ Hier verlangt der Betrüger zunächst kein Geld, sondern Dokumente. Sterbeurkunde, Familienstammbuch, Bankverbindung, Ausweis. Eine perfekte Ernte, um anschließend einen Konsumkredit auf den Namen einer lebenden oder verstorbenen Person aufzunehmen.
3. Die „zu viel gezahlte Rente“
Diese Variante zielt auf hinterbliebene Ehepartner. Die Nachricht behauptet, eine Rente sei nach dem Todesdatum zu Unrecht ausgezahlt worden, und fordert die sofortige Rückzahlung. Der Fall ist tatsächlich häufig – Rentenkassen fordern nach dem Tod gezahlte Beträge sehr wohl zurück –, was die Geschichte äußerst glaubwürdig macht. Doch die Assurance retraite und die Agirc-Arrco gehen per offiziellem Schreiben und Verrechnung mit den Ansprüchen vor, niemals über einen per SMS verschickten Zahlungslink.
4. Der falsche Dienst zur „Schließung von Online-Konten“
Moderner: Eine Nachricht bietet an, die digitalen Konten des Verstorbenen, seine Abonnements und seine Profile in sozialen Netzwerken zu löschen. Der Link führt zu einem Formular, das die Zugangsdaten des Verstorbenen verlangt … und oft auch die des Angehörigen, der es ausfüllt. Dabei verfügen alle großen Plattformen über offizielle und kostenlose Verfahren, die direkt über ihre eigene Website zugänglich sind, ganz ohne Vermittler.
Woran man eine betrügerische Nachricht auch mitten in der Trauer erkennt
Der klassische visuelle Reflex – nach Rechtschreibfehlern suchen – reicht nicht mehr aus. Aktuelle Kampagnen sind korrekt formuliert, teils mit hochwertigen automatischen Übersetzungstools erstellt. Drei Anhaltspunkte bleiben jedoch sehr verlässlich.
| Signal | Legitime Nachricht | Betrügerische Nachricht |
|---|---|---|
| Der Kanal | Brief per Post, persönlicher Termin, Anruf von einer identifizierbaren Festnetznummer | SMS allein, mit anklickbarem Link |
| Die Frist | Wochen oder Monate, schriftliche Erinnerungen | 24 Std., 48 Std., 72 Std., „vor Sperrung“ |
| Die Zahlung | Überweisung auf ein offiziell schriftlich mitgeteiltes Konto, überprüfbare Bankverbindung | Zahlungslink, Bankkarte, mitunter Kryptowährung oder Prepaid-Gutscheine |
| Die Domain | Name des Notariats oder der Einrichtung, Endung .fr oder .notaires.fr | Generische Domain, mehrere Bindestriche, Endungen .net, .info, .top |
Der entscheidendste Punkt bleibt die Zahlungsweise. Keine öffentliche Stelle, kein Notariat, kein französischer Versicherer verlangt eine Begleichung per Bankkarte über einen per Nachricht erhaltenen Link. Das ist ein binäres Kriterium, das keinerlei technisches Fachwissen erfordert und selbst dann funktioniert, wenn man schnell liest.

Den hinterbliebenen Partner schützen: die eigentliche Frontlinie
Die am stärksten gefährdete Person ist fast nie diejenige, die den Nachlass regelt. Es ist der hinterbliebene Partner, oft betagt, oft zum ersten Mal seit Jahrzehnten allein und manchmal wenig vertraut mit einem Smartphone, um das sich bislang der andere gekümmert hat.
Einige konkrete Maßnahmen, die in den Tagen nach dem Todesfall umgesetzt werden sollten:
Eine einzige Ansprechperson bestimmen. Eine einzige Person aus der Familie bündelt alle Kontakte mit den Behörden und Unternehmen. Sie notiert in einem Heft – ein schlichtes A5-Notizbuch genügt völlig und lässt sich leichter nachlesen als ein SMS-Verlauf – Datum, Stelle, Namen des Gesprächspartners und die angerufene Nummer. Jede Nachricht, die keiner Zeile im Heft entspricht, wird damit von vornherein verdächtig.
Die Null-Zahlungs-Regel schwarz auf weiß festhalten. Schlicht formuliert, notfalls an den Kühlschrank geheftet: „Keine Zahlung im Zusammenhang mit dem Nachlass erfolgt über ein Telefon.“ Dieser eine Satz schützt besser als zehn technische Ratschläge.
Das Lesen erleichtern. Viele betrügerische Nachrichten kommen durch, weil der Text unleserlich ist. Die Schriftgröße in den Telefoneinstellungen erhöhen – und für Menschen, die bei kleinen Zeichen die Augen zusammenkneifen, ermöglicht eine beleuchtete LED-Lupe neben dem Telefon, eine Website-Adresse vor dem Klicken in Ruhe nachzulesen. Langsam lesen heißt sich bereits verteidigen.
Das Gerät bei Bedarf vereinfachen. Wenn der hinterbliebene Partner das Telefon des Verstorbenen übernimmt oder wechseln muss, ist jetzt nicht der Moment, auf ein komplexes Modell umzusteigen. Ein Mobiltelefon mit großen Tasten mit vereinfachter Nachrichtenfunktion verkleinert die Angriffsfläche ganz automatisch – weniger Apps, weniger anklickbare Links, weniger Verwirrung.
Den Mobilfunkvertrag prüfen. Eine Handynummer, die nicht mehr genutzt wird (die des Verstorbenen), muss beim Anbieter ordnungsgemäß gekündigt und nicht einfach aufgegeben werden. Eine aktive, aber vernachlässigte Leitung bleibt anfällig für betrügerische SIM-Karten-Neuzuweisungen.
Die richtigen Prüfkanäle, die man griffbereit haben sollte
Bei einer zweifelhaften Nachricht gilt nur eine Regel: niemals die in der Nachricht enthaltenen Kontaktdaten verwenden. Man ruft stets über einen unabhängigen Kanal zurück.
- Der Notar: Seine Nummer steht auf den offiziellen Schreiben oder lässt sich über das offizielle Notarverzeichnis auf notaires.fr finden.
- Die Rentenkasse: persönlicher Bereich auf lassuranceretraite.fr oder agirc-arrco.fr, niemals über einen erhaltenen Link.
- Die Bank: die auf der Rückseite der Bankkarte des Inhabers aufgedruckte Nummer oder die der Filiale.
- Die Bestattungs- oder Vorsorgeversicherung: der Vertrag in Papierform oder AGIRA, die Stelle, die die Suche nach nicht beanspruchten Lebensversicherungsverträgen bündelt.
- Bei allgemeinen Zweifeln: cybermalveillance.gouv.fr bietet eine kostenlose Diagnose an und vermittelt an Fachleute, wenn das Gerät kompromittiert wurde.
Und zum Melden: die 33700, eine kostenlose, von den französischen Mobilfunkanbietern betriebene Plattform. Man leitet die verdächtige SMS an die 33700 weiter, erhält eine Rückfrage nach der Absendernummer und schickt diese zurück. Das Verfahren ist anonym, kostenlos und trägt zur Sperrung betrügerischer Nummern bei.
Eine Meldung holt das Geld nicht zurück, verringert aber die Zahl der Menschen, die dieselbe Nachricht in der folgenden Woche erhalten. Bei einer Kampagne, die Tausende trauernder Haushalte ins Visier nimmt, zählt das.
Wenn es doch passiert ist: die ersten 48 Stunden
Wer beim Nachlass-Smishing zum Opfer wird, reagiert aus Scham oft zu spät. Das ist der schlechteste Reflex: Die Chancen auf Rückerstattung hängen von der Schnelligkeit ab.
- Sofort die Bank anrufen, um die Karte sperren zu lassen und die Blockierung der Überweisung oder Kartenzahlung zu verlangen. Kartenzahlungen ohne starke Authentifizierung können nach den Artikeln L133-18 ff. des französischen Währungs- und Finanzgesetzbuchs angefochten werden.
- Anzeige erstatten, bei der Polizei, der Gendarmerie oder über die Online-Voranzeige. Die Empfangsbestätigung ist Voraussetzung für viele weitere Schritte.
- Passwörter ändern, beginnend mit dem E-Mail-Konto, das als Wiederherstellungsschlüssel für alles andere dient. Um nicht wieder in ein einziges, überall wiederverwendetes Passwort zurückzufallen, bleibt ein sicheres Passwortbuch – ein schlichtes Papierregister, außer Sichtweite verwahrt – eine akzeptable Lösung für Menschen, die digitalen Passwortmanagern ablehnend gegenüberstehen.
- Identitätsdiebstahl im Blick behalten, falls Dokumente übermittelt wurden: bei der Banque de France eine Einsicht in das FICP beantragen und auf das Auftauchen unbekannter Kredite achten.
- Sich begleiten lassen. France Victimes (116 006, kostenlos) bietet juristische und psychologische Unterstützung. Nach einem Todesfall einen Betrug auch noch allein zu verkraften, ist eine Prüfung zu viel.

Der eigentliche Punkt: vorher vorsorgen statt hinterher reagieren
Der beste Schutz vor dieser Art von Betrug entsteht zu Lebzeiten der Betroffenen. Nicht aus Pessimismus, sondern weil eine Familie, die weiß, wo die Unterlagen liegen, sich von einer erfundenen Aktennummer nicht beeindrucken lässt.
Eine physische Mappe mit den Versicherungsverträgen, dem Namen des Familiennotars, sofern vorhanden, der Liste der Banken und Institutionen sowie den wichtigsten Zugangsdaten verändert alles. Eine Fächermappe genügt; manche bevorzugen einen Ratgeber zur Nachlassvorbereitung, der methodisch auflistet, welche Dokumente zusammenzutragen und welche Schritte einzuplanen sind. Ziel ist nicht, alles vorwegzunehmen, sondern über einen verlässlichen Bezugspunkt zu verfügen, mit dem sich jede eingehende Nachricht abgleichen lässt.
Denn genau darin liegt der zentrale Mechanismus dieser Masche: Sie trickst nicht auf technischer Ebene, sie trickst mit dem Fehlen eines Bezugspunkts. Eine betrügerische Nachricht wird nur in einem Umfeld glaubwürdig, in dem niemand mehr weiß, was normal ist. Einen Rahmen wiederherzustellen – eine Ansprechperson, ein Heft, eine Zahlungsregel – genügt, um das Szenario in sich zusammenfallen zu lassen.
Ein Notar schreibt. Eine Rentenkasse schreibt. Ein Versicherer schreibt. Die Trauer ist schon belastend genug, als dass man ihr die ständige Angst vor dem eigenen Telefon hinzufügen müsste: Im Zweifel klickt man nicht, man ruft zurück, und man leitet die Nachricht an die 33700 weiter.



